Krankengymnastik (KG)
Der Begriff Krankengymnastik (KG) wird häufig als Synonym für die gesamte Physiotherapie gebraucht, obwohl es streng genommen nur ein wesentliches Teilgebiet ist. Unter Krankengymnastik im engeren Sinne versteht man die gezielte, planmäßige Durchführung von speziellen Übungen mit Patienten zur Behandlung von Störungen verschiedener Systeme des Organismus, insbesondere des Bewegungssystems.
Haltung und Bewegung des Körpers beruhen auf der integrativen Tätigkeit des Bewegungssystems. Die Information aus der Peripherie über den Funktionszustand der beteiligten Elemente – Muskel, Sehne, Nerv, Gelenk usw. – und die Koordination von Teilfunktionen durch kortikale (im zentralen Nervensystem lokalisierte) und subkortikale (dem zentralen Nervensystem untergeordnete, z. B. Kleinhirn) Zentren sind Grundlage für eine zielgerichtete fließende Bewegung des Menschen. Jede Form der KG basiert auf diesen natürlichen, quasi vorprogrammierten Abläufe zwischen zentralen und peripheren Systemen. So lassen sich mit der KG nicht nur Effekte an der beteiligten Skelettmuskulatur, sondern auch Wirkungen im Zentralen Nervensystem, am Herz-Kreislaufsystem, am Atemapparat oder an inneren Organen erzielen.
Elemente der Krankengymnastik (KG)
- Aktive Bewegungen
Sie sind das zentrale Element der modernen Krankengymnastik. Sie werden vom Patienten unter Anleitung der Physiotherapeutin selbstständig durchgeführt.
Wirkungen:
- Förderung der Beweglichkeit der Gelenke
- Kräftigung unterentwickelter und abgeschwächter Muskulatur
- Förderung der Durchblutung der beteiligten Muskulatur
- Isometrisches Muskeltraining
Anspannung der Muskulatur ohne Bewegungsumfang, Steigerung der Kraft eines Muskels durch isometrische Übungen oder durch Widerstandsübungen. Immer sinnvoll, wenn Muskelkräftigung und Durchblutungsverbesserung notwendig ist.
- Passive Bewegungen
- Entspannungsübungen
Übungen, die zur Lösung eines erhöhten Spannungszustandes des Muskulatur beitragen. Meist isometrische Spannungsübungen mit anschließender Relaxation (postisometrische Relaxation) Häufig bei der Schmerztherapie, aber auch bei inneren Erkrankungen sinnvoll.
- Lagerungen
- Unwillkürliche oder Reflexbewegungen
- Körpertastarbeit
- Bewegungen im Wasser
Spezielle Therapieformen der KG
Über die bereits beschriebenen Therapien der KG hinaus gibt es spezielle Therapieformen, die streng genommen nur besondere krankengymnastische Therapien darstellen, wie:
- Atemtherapie
- Manuelle Therapie
- Propriozeptive Neuromuskuläre Faszilitation (PNF)
- KG nach Vojta bei Kindern und Säuglingen
Bereits bei der Geburt ist das Programm der idealen Bewegungsentwicklung im Gehirn wie in einemComputer gespeichert. Der Neurologe Prof. Vaclav Vojta hat in den 50er Jahren herausgefunden, dass man in die Steuerung des Gehirns eingreifen kann, um Haltung und Bewegung zu beeinflussen. Die entstandenen Bewegungen werden Reflexfortbewegungen genannt. Die Reflexfortbewegung wird in ganz bestimmten Ausgangslagen durch Druck auf festgelegte Punkte(Zonen) am Körper ausgelöst. Ausgangslagen, Druckrichtung, Druckstärke und Dauer werden mit den Eltern erarbeitet und jedem Kind angepasst. Die Reflexfortbewegung nach Vojta ist während des ganzen Lebens (von Geburt an bis ins hohe Alter) abruf- und anwendbar.
Alle diese Therapieformen werden in der allgemeinen Physiotherapieausbildung nur kurz erläutert, so dass hierfür spezielle Weiterbildungskurse absolviert werden müssen.
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